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Der Bahnbau wird realistisch: 1882 bis 1887


Der Anschub


1882: Die Vereinigten Schweizerbahnen (V.S.B.)

Nachdem die durch Minister Dr. Roth aus Teufen 1872 bis 1874 veranlasste Studie Dardier mangels Finanzierbarkeit liegen geblieben war, griffen die V.S.B. 1882 die Idee wieder auf, anscheinend aus eigener Initiative. Dabei setzten sie bis zum 'Riethäusle' auf eine andere Streckenführung.


1885: Industrie und Gemeinden des Appenzeller Mittellandes

1885 schritten die Mittelländer selber zur Tat und diesmal mit Erfolg. Es bildete sich ein „provisorisches Comité“ zur Gründung einer Strasseneisenbahn von St. Gallen nach Gais.

Aus dem „Comité“, zu dem es kein Verzeichnis gibt, bildete sich wohl bei Anlass der Gründungsversammlung der erste Verwaltungsrat, so dass wir annehmen dürfen, das Comité stimme mit dem ersten Verwaltungsrat ungefähr überein. Dieser setzte sich zusammen aus:

  • D. Wirth-Sand, Präsident, (gleichzeitig Generaldirektor der Vereinigten Schweizerbahnen)
  • Nationalrat J. U. Eisenhut, Gais, Vizepräsident

 


  Zeichung: Museumsverein Appenzeller Bahnen

  • Alt-Oberrichter Johs. Tobler, Teufen
  • Alt-Direktor Th. Fornaro (ehemals V.S.B.)
  • Minister Dr. Roth, Teufen
  • E. Zollikofer-Wirth, St. Gallen
  • Regierungsrat J. Zuberbühler, Gais
  • Statthalter Hofstetter, Kanton Appenzell A. Rh.
  • Alt-Nationalrat D. Hofstetter, Gais
  • Alt-Gemeinderichter J. U. Tobler, Bühler
     
    und eventuell die Mitglieder der Revisionskommission
  • Oberrichter Hofstetter-Willi, Gais
  • Ed. Kürsteiner-Scherrer, St. Gallen
  • Kantonsrichter Preisig-Zürcher, Gais

Kosten und Finanzierung
 

Der Kostenvoranschlag soll bei Gründung der Bahngesellschaft am 7. September 1887 1‘550‘000.– Franken betragen haben. Das Edikt zum Subventionsvertrag mit der Stadt St. Gallen aus dem Jahr 1884 spricht noch von 1‘450‘000.-.

Die Finanzierung der Strecke bis Gais stellte man sich folgendermassen vor:

Finanzierung

Kosten

Baukosten

1'500'000

Aktienkapital 1023 Aktien zu 500 nominal
Gemeindesubventionen gemäss Verträgen


511‘500
 
600‘000


Finanziert


1'150'000


Obligationenanleihe


500'000

Nach dem heutigen Preisstand würden die 1‘550‘000 Franken etwa 20 Millionen entsprechen.

Bei Gründung der Gesellschaft waren 1023 Aktien à Fr. 100.- gezeichnet und Fr. 20.- pro Aktie einbezahlt, ebenso ein Teil der Subventionen.

Einbezahlt bei Gründung

Aktien
Subventionen

409'200
460'000

 

 

869'200


 
Zu Ende des ersten Geschäftsjahres, am 31. Dezember 1889 setzt sich das nun vollständig einbezahlte Gesellschaftskapital wie folgt zusammen:

Eigenkapital

Aktien
Subventionen
Gewinn

511‘500
600‘000
3170

Obligation 4½ %

 

600'000

Kreditoren und Fonds

Kreditoren
Fonds

53‘632
1‘917

 

 

1‘770‘219

 

 

 
 


Vor dem Bahnbau: das Gebiet der Davidsbleiche zur Bauzeit des Leonhard-Schulhauses
Bild: Stadtarchiv St. Gallen

Die ausserrhodische Regierung überwies das Problem der Strassenbeanspruchung an die Landes-Bau- und Strassenkommission. Auf deren Antrag genehmigten Kantonsrat und die Landsgemeinde (1884) in Übereinstimmung mit dem Kanton St. Gallen die folgenden Bedingungen:

die Bahn musste mit einer Spurweite von 1 m erstellt werden (was die Kostenberechnungen des Ingenieurs Klose völlig über den Haufen warf);

die Staatsstrasse durfte benützt werden, die Bahn musste aber für den allgemeinen Strassenverkehr eine Verkehrsfläche von 4 Meter 80 Breite gemäss Strassengesetz von 1851gewährleisten;

Die Bahn musste den zusätzlichen Boden für den Trassebau selber erwerben.

Diese Bedingungen führten zu der bis heute geltenden Streckenführung.

Dass man Nest und Riethüsli über die Ruckhalde erreichen wollte folgt daraus, dass dies schlicht die billigste Variante war, auch wenn für den Boden in der Ruckhalde ein stolzer Preis bezahlt werden musste.