Der kränkelnde Güterverkehr

Das Elend mit dem Umlad auf Schmalspur

Während der Personenverkehr der Appenzeller Bahn sich stets einigermassen befriedigend entwickelte, kränkelte der Güterverkehr von Anfang an vor sich hin. Ein Hauptgrund für diese wenig erfreuliche Entwicklung dürfte wohl der zeitraubende Warenumlad von der Normalspurbahn auf die schmalspurige AB in Winkeln gewesen sein. So ist bekannt, dass viele Geschäftsleute es vorzogen, mangels speditiver Beförderung ihrer Fracht ihre Waren per Fuhrwerk nach Gossau - und nicht nach Winkeln! - zu befördern oder von dort abzuholen. Das wurde leider auch nach der Verlegung des Anschlusses nach Gossau nicht wesentlich besser. Jedenfalls blieb der Güteverkehr stets unter dem gesamt-schweizerischen Mittel.

Die Schuld am schlechten Ergebnis des Hoffnungsträgers Güterverkehr liegt allerdings auch an dauernden Querelen zwischen AB und VSB. So heisst es u.a. in einem Bericht des Verwaltungsrates der SLB vom 2.12.1882 an das Eisenbahndirektionskomitee der AB, an die Gemeinden Herisau, Waldstatt und Urnäsch sowie an die Herren Obligationäre:
'Die Umladung der Wagenladungsgüter in Winkeln ist das einzige, was den Unterschied der zwei Bahnsysteme zuungunsten der Schmalspurbahn fühlbar macht.'

Interventionen beim Post- und Eisenbahndepartement führten zu keinem Ergebnis, ebenso wenig wie der Versuch, nach Ablauf des Mitbenützungsvertrages für die Station Winkeln mit den VSB neue Bedingungen auszuhandeln.

Erster Rollbockversuch

Der AB muss attestiert werden, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten nichts unversucht liess, um den Güteraustausch zu erleichtern. So wurde bereits Mitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts die Einführung des Rollschemelbetriebes auf der AB, d.h. der Transport von normalspurigen Güterwagen auf der Meterspur, in Erwägung gezogen. Die Pläne für die Änderung der Gleisanlage auf der Station Winkeln lagen jedenfalls 1885 vor. Im März 1885 wurden die ersten Versuche mit einem «Transportwagen» System «Langbein» der Noellschen Waggonfabrik in Würzburg gemacht. Verschiedene leere und belastete Normaleisenbahnwagen wurden in Winkeln aufgeladen und mit einer Extramaschine nach Herisau befördert. Die Versuche mit diesen «Transporteuren», die sich bereits in Sachsen auf Bahnen mit nur 75 cm Spurweite bewährt hatten, fielen wohl zufriedenstellend aus, aber infolge Finanzknappheit musste auf deren Anschaffung verzichtet werden.

Zweiter Rollbockversuch

1897 wurde wieder ein Vorstoss in dieser Richtung unternommen. So reiste die Direktion der AB in corpore in den Schwarzwald, um den Betrieb von Rollschemeln zu studieren. Die Generaldirektion der württembergischen Staatsbahnen hatte sich nämlich bereit erklärt, den Einsatz von Transporteuren auf der Meterspur zu demonstrieren. Beeindruckt von den Möglichkeiten dieses Systems wurden auf Antrag der Direktion der AB .hierauf bei der Maschinenfabrik Esslingen zwei Transporteurpaare nebst Ladevorrichtungen bestellt und nach zufriedenstellenden Versuchsfahrten und der Kollaudation durch das Eisenbahndepartement anfangs 1898 in Betrieb genommen.

Die angeschafften Transporteure erwiesen sich aber nach kurzer Zeit als unwirtschaftlich, worauf sie bereits 1899 an die «Voie Etroite» in Genf verkauft wurden.

Damit müssen die vielfältigen Bemühungen der AB, den Güterverkehr zu heben, als gescheitert betrachtet werden. Ein Blick auf die heutige Situation zeigt, dass sich der Güterverkehr bis dato nie zufriedenstellend entwickeln konnte, wohl aufgrund von Fehlentscheiden, die in der Vergangenheit getroffen wurden und sich nicht ohne weiteres korrigieren lassen; dazu gehört vor allem die Wahl der Schmalspur, deren Nachteile seit Bestehen der AB immer wieder gerügt werden.

Dritter Rollbockversuch

Reichlich spät entschloss man sich 1978 erneut, im Rahmen eines Investitionsprogrammes von 2,5 Mio. Franken den Rollbockbetrieb auf der AB einzuführen. Bis es so weit war, mussten verschiedene Anpassungsarbeiten auf der ganzen Strecke der AB durchgeführt werden. Es wurde eine Rollbockanlage System Vevey errichtet, hier übernahmen 8 Paare sowie 4 zunächst gemietete, dann gekaufte BDWM- Rollbock-Paare die normalspurigen Güterwagen. Deren Traktion erfolgte zunächst mit Triebwagen der ABe, später mit einem oder (lasthalber) zwei solchen der SGA und zuletzt mit der umgebauten ehemaligen Säntisbahn-Lok.

Der Erfolg hielt aber nicht lange an. Seit 2003 blieb die Anlage unbenützt und eingemottet, schliesslich umgebaut zur Übergangsanlage für Fahrzeuge 1000 / 1435 mm und dann stillschweigend beerdigt.

So standen sie nun da, unnütz und in einer Reihe.