Die Verlegung der Strecke von Winkeln nach Gossau

Eigentlich wollte man ja nach St. Gallen

Der weitaus überwiegende Anteil der Frequenzen auf der Strecke Winkeln – Herisau betraf den Verkehr zwischen Herisau und St. Gallen, so dass schon um 1890 in Herisau der Wunsch nach einer direkten Verbindung nach St. Gallen geäussert wurde (das notwendige Umsteigen in Winkeln wurde schon damals als lästig empfunden). Am 24. März 1897 genehmigte die Bundesversammlung eine Konzession für eine Schmalspurbahn nach St. Gallen, die östlich von Winkeln beim Gübsenmoos (heute befindet sich dort der künstliche Gübsensee für das Kraftwerk Kubel) von der bestehenden Strecke Herisau - Winkeln abzweigen sollte.

Die Bodensee - Toggenburg Bahn kommt dazwischen

Gleichzeitig waren aber auch Bestrebungen für den Bau einer normalspurigen Bodensee – Toggenburg-Bahn (BT)angelaufen, und der Bau einer Schmalspurbahn nach St. Gallen wurde von deren Initianten massiv mit politischen Mitteln bekämpft. Der Bundesrat hatte schliesslich zugunsten der Normalspurbahn entschieden, was sachlich sicher richtig war, aber der AB noch erhebliche Probleme, auch finanzielle, bereiten sollte. Immerhin wurde sie - nachdem sie bis ans Bundesgericht gelangte – in einem Vergleich für ihre, immerhin aufgrund einer rechtsgültigen Konzession erfolgten Projektierungskosten von der BT wenigstens teilweise entschädigt.

Winkeln gerät abseits

Schon während des Baus der BT erkannte die AB, dass der Strecke nach Winkeln keine Zukunft beschieden war, weil der dort dominierende Verkehr nach St. Gallen auf die BT abwandern würde. Schon 1904 hatte die AB nach der Verlängerung Gais - Appenzell die Kundschaft der Relation St. Gallen - Appenzell weitgehend verloren. So entschloss sich die AB, einen Anschluss an die SBB in Gossau zu suchen, um den Verkehr mit dem „Rest der Schweiz“ (Linien von Zürich – Winterthur und Sulgen – Bischofszell) besser bedienen zu können, der wegen des Alpstein-Tourismus an Bedeutung gewonnen hatte.

Dann halt doch eine neue Strecke nach Gossau, nach nur 32 Jahren

Am 26. September 1907 wurde von der Bundesversammlung das von der AB eingereichte Gesuch um eine Konzession für eine Strecke von Herisau nach Gossau als Ersatz für die aufzuhebende Strecke Herisau – Winkeln bewilligt. Es dauerte 6 Jahre, bis die neue Strecke am 1. Oktober 1913 in Betrieb genommen werden konnte. Der Grund lag darin, dass der uunter anderem auf die neue AB-Strecke zurückzuführende Bau eines neuen Bahnhofs in Gossau an neuer Lage länger dauerte, als ursprünglich angenommen wurde, und der Bahnhof der Appenzeller Bahn am gleichen Tag wie jener der SBB in Betrieb genommen wurde.

Der AB-Bahnhof liegt parallel zu den SBB-Gleisen auf der Südseite des SBB-Bahnhofs. Er wurde wie der benachbarte neue SBB-Bahnhof recht grosszügig mit Landreserven für spätere Erweiterungen gebaut (was der AB ermöglichte, 1977 die neuen Anlagen für den Rollbockverkehr auf eigenem Boden bauen zu können).