D's Lied vo de Bahnhöf, wo de Zug gäng scho abgfahre'n isch oder no nid isch choo

(Mani Matter)

Bahnhöfe

Bahnhöfe von Lokalbähnchen ... Mani Matter hatte schon recht, eigentlich. Aber nur so lange, bis man sich mit ihrer Entstehungsgeschichte und mit ihren Veränderungen befasst.

Plötzlich stehen hinter an sich langweiligen Landbahnhöfen Geschichten, die sich lesen, wie Kriminalromane. Etwa die Metamorphose eines ganzen Tales in Herisau. Oder die Herrschaft der Textifabrikanten in Bühler. Oder der schon während der Bauzeit drohende Konkurs der 'Schweizerischen Gesellschaft für Localbahnen'. Oder der in Appenzell alles beherrschende Brotneid der Bahnen unter einander. Und so weiter.

Ein Blick auf die Gründe

Das Bild mit den Brücken sagt alles. Im Vordergrund die Textilfärberei 'Sittertal', dahinter die Kräzernbrücke, einst eine Holzbrücke, erst 1811 als steinerne Bogenbrücke entstanden. Und dann das imposante, alles überragende Symbol der neuen Zeit: die Eisenbahnbrücke über die Sitter.

Sankt Gallen hat seit 1856 Eisenbahn-Anschluss! Was das für die Textilfabrikanten - und die ganze Textilindustrie - heisst, kann man ermessen, wenn man die Transportgeschwindigkeiten vergleicht.

Per Fuhrwerk über die Kräzerenbrücke nach Paris! Durchschnittliche Transportleistung pro Tag: 30 Kilometer. Durchschnittliche Transportleistung mit der Eisenbahn: 30 - 40 km in der Stunde, alle Halte eingerechnet!


Jakob Dubs

Es versteht sich von selbst und enspricht reiner Notwendigkeit, wenn nun auch die Fabrikanten in Ausserrhoden die Vorteile des raschen, wettergeschützten und sicheren Transportes für sich in Anspruch nehmen wollen.

In dieser Situation kommen Alt Bundesrat Jakob Dubs mit seiner 'Schweizerischen Gesellschaft für Localbahnen' und Arnold Roth mit seinem weit gespannten Netzwerk gerde recht. - Die Finanzierung allerdings ist wieder eine andere Geschichte. Über die entsprechenden Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Bau der Bahn von Gais nach St. Gallen haben wir bereits berichtet (vgl. auch die Ausstellung '1872 bis 1889, eine Bahn von Gais nach St. Gallen'). Die gleiche Wirtschaftskrise bestimmt auch zu einem wesentlichen Teil den Bau der Strecke von Winkeln nach Urnäsch (und Appenzell).

Die Bahn von St. Gallen bis Gais hat in der eigentlichen Realisierungsphase mit der 'Schweizerischen Gesellschaft für Localbahnen' nichts mehr zu tun. Sie verdient ihre Realisierung der Tatkraft von Daniel Wirth-Sand, Präsident und Direktor der Vereinigten Schweizerbahnen. Wirth hat selber ein Interesse am Bau dieser Strecke. Hier will er im Hinblick auf die geplante Ostalpenbahn Erfahrungen für den Bahnhbau in gebirgigem Gelände sammeln. Dass Arnold Roth aus Teufen wieder mit von der Partie ist, ergibt sich fast von selbst.


Daniel Wirth-Sand


Arnold Roth

Darüber und und wie die Textilherren die Bahnhöfe mit der Zeit zum Teil doch noch zum Glänzen brachten, berichtet diese Ausstellung.