Seitenblicke auf die Strecke von Herisau bis nach Gonten


Über die Haltestellen und Bahnhöfe und Bahnhöflein nach Herisau lässt sich wenig spektatkuläres erzählen. Fraglos geplant waren Bahnhöfe in Waldstatt, Urnäsch und Gonten. Weil die Strecke zwischen Urnäsch und Appenzell aber erst 1886 eröffnet wird, fallen Jakobsbad und Gonten zusammen mit Appenzell in eine andere Phase der Entwicklung.

Die Geschichtslosen

Unser Thema ist der Wandel der Bahnhöfe, soweit er von grundlegender Natur ist oder sich mit einer besonderen Geschichte verbindet. Auf dieser Seite befassen wir uns, als Einsprengsel sozusagen, mit ein paar Besonderheiten und Kuriositäten.

Das Bauprinzip


Schon in der Vorbereitungsphase zum Bau der Linie Winkeln - Herisau - Urnäsch (- Appenzell) ereignet sich der als 'Gründerkrach' bekannte Börsencrash. Nur Monate später werden die finanziellen Verhältnisse für die 'Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen (SLB)' prekär. Die Gesellschaft muss sich darauf konzentrieren, das Notwendige umzusetzen. Bei den Hochbauten wird kräftig gespart.

Im übrigen denkt man auch im 19. Jahrhundert rationell. Wie bei den meisten Bahnen - als Beispiel diene die Rhätische Bahn - entwickelt man einen Standard-Bahnhof, der dann in Abwandlungen fast überall realisiert wird.

Das Grundprinzip und seine Abwandlungen

Herisau

Ausgangspunkt ist der Entwurf für den Bahnhof Herisau. Er wird noch praktisch unverändert übernommen und umgesetzt

Waldstatt / Urnäsch

In Waldstatt und Urnäsch braucht es offensichtlich weniger grosse Bahnhofanlagen. Aber offensichtlich wirkt sich die Konjunkturlage aus: gebaut wird deutlich kleiner als ursprünglich geplant.

Waldstatt

Oben: Der Plan für den Bahnhof Waldstatt. Fünf-Achsig mit kleiner Dachgaube.

  

Was tatsächlich gebaut wurde. Oben eine der ganz wenigen Aufnahmen vom ursprünglichen Bahnhof Waldstatt. Darunter das in einem Waldstück am Südabhang des Kronbergs noch heute stehende Gebäude.

Der Bahnhof, der Anfangs des 20. Jahrhunderts folgt.

 

Urnäsch

Ein ganz ähnliches Gebäude entsteht und steht noch heute in Urnäsch. Hier wird dem Bahnhof immerhin noch ein Obergeschoss spendiert.

Zürchersmühle

Eine besondere Geschichte, die kurz erzählt sein will, rankt sich um die Haltestelle Zürchersmühle

Auf dem Plan von 1874 ist eine 'Haltstelle Zürchersmühle' eingezeichnet - und sogleich wieder gestrichen. Der Grund liegt nahe: Geldknappheit. Also streicht man die Gebäude mit der geringsten Wichtigkeit.

Auch der Geäbudeplan ist vorhanden, wenngleich undatiert. Er gleicht, kaum verwunderlich, vollständig dem Gebäude in Urnäsch. Vielleicht war er sogar für beide Bauten vorgesehen. Aber eben: gebaut wird vorerst nicht.

Doch dann taucht ein weiterer Plan für die Haltestelle Zürchersmühle auf, diesmal datiert mit 1896.

Aber das tatsächlich vorhandene Gebäude sieht wieder anders aus. - Was ist geschehen?

Der Ablauf der Geschehnisse ist der Folgende:
Auf den Bau der Haltestelle gedrängt hatte der Besitzer der 'Zürchersmühle', eben jener Müller mit Namen Zürcher. Aus finanziellen Gründen baute die Bahn die Haltestelle aber nicht. Sie baut selbst später nicht, als 1885/86 die Strecke nach Appenzell weiter geführt wird. Müller Zürcher istgerlich. Die Haltestelle mit einem zugehörigen Stumpengeleise ist für seinen Betrieb wichtig. Kurzerhand baut besagter Müllereiunternehmer Zürcher die Station selber. Dafür streckt er 10'000 Franken vor, von denen 8'000 für das Gebäude benötigt werden. Der Rest dient wohl dem Bau der Geleiseanlagen.

Unklar ist weiterhin weshalb letztlich ein deutlich anderes Gebäude entsteht, als es die zur fraglichen Zeit entstandenen Pläne vorsehen.

Wohl in den späten 40-er Jahren wird das Gebäude stark 'modernisiert'. Es verliert seinen Kreuzgiebel und erhält dafür auf der Südseite einen kleinen Warteraum angebaut und zu den Gleisen hin einen Balkon als Perronüberdachung. Heute dient es als privates Wohnhaus.

Jakobsbad und Gonten

Die beiden Bahnhöfe auf der Strecke Urnäsch - Appenzell entstanden zusammen mit dieser 1885/86.

Jakobsbad ist bis heute mit Ausnahme der hässlichen Perronüberdachung unverändert geblieben.

Gonten verlor im Rahmen der 'modernisierung der AB' seinen Status als Bahnhof. Das Gebäude wurde abgebrochen und ist heute durch ein privates Wohnhaus ersetzt.