Der 'neue Bahnhof' in Herisau: ein Tal wird umgebaut


Mit den Bau der Bodensee - Toggenburg-Bahn (BT) entsteht eine direkte Verbindung von Herisau nach St. Gallen. Das braucht einen Bahnhof. Dafür sucht die BT die Strecke mit den geringsten Höhenunterschieden möglichst nahe am Ortszentrum Herisau. Mit diesen Qualitäten steht eigentlich nur das 'Tal' zur Verfügung, an dessen Lehne schon die Linie der Appenzeller Bahn verläuft.

Ein Tal ist per Definitionem etwas in allen Richtungen Schräges. Um hier mit einigermassen vernünftigem Aufwand eine horizontale Fläche zu gewinnen, muss massiv abgetragen und/oder aufgefüllt werden. Das wiederum führt 1911/12, dem Stand der Technik entsprechend, zu einem Massen-Ausgleichsprojekt. Was man an Ausfüllmaterial braucht, gewinnt man an Ort und Stelle. Das heisst: den Hang abgraben und unten mit diesem Material auffüllen.

Damit ist der Konflikt zwangsläufig. Die BT benötigt das Material des Hanges, an dem die AB entlang läuft.

Die AB hätten gerne ihren Bahnhof Herisau beibehalten. Dazu müssten die Geleise wesentlich weiter in den Hang hinein verlegt werden und es wäre ein neuer Durchstich und dahinter ein verbreiterter Damm nötig. Gleichzeitig wäre irgend eine vernünftige Verbindung , z.N. über eine Passerelle, zum neuen BT-Bahnhof zu schaffen. Die Idee ist vernünftigerweise nicht zu realisieren und die AB geben nach.

Eine Riesenbaustelle

Der Bau der Bodensee - Toggenburg-Bahn verändert das “Thal” in einer Weise, die wir uns ohne die Bilder aus der Zeit davor gar nicht mehr vorstellen können. Der südseitige Hang wird abgegraben, es entsteht eine Felswand. Die ganze Südhälfte des Tals selbst wird mit dem anfallenden Schutt und Gestein bis auf die Höhe des Überganges Richtung Winkeln aufgefüllt.

Das Trassee der Appenzeller Bahn wird zwei Mal verlegt, einmal in den Hang hinein, damit aussen das Material abgetragen werden kann, dann ein zweites Mal hinunter auf das Niveau des BT-Bahnhofes. Diese Massnahme führt gleichzeitig zur Aufhebung des AB-Bahnhofs im Dorfzentrum.

Das provisorium

Bevor mit den Erdverschiebungen für den BT-Bahnhof begonnen werden kann, muss die bestehende AB-Linie provisorisch weiter in den Hang hinein verlegt werden. An sich schon ein beachtliches Projekt.

Was der Besucher heute im Felsabbruch hinter em AB-Bahnhof als Trassee-Rest noch wahrnehmen kann, ist demnach nur noch eine Spur des Provisoriums.

Die Erdarbeiten

Der Hanganschnitt hat begonnen. Noch fährt die AB auf dem alten Trassee und die Baumreihe im Vordergrund steht noch. Aber das Ausmass der Erdverschiebungen wird sichtbar.

Die Bahn muss hinter die Gebäude verlegt werden, vgl. rote Pfeile. Auch die Zufahrt zum Bahnhof Herisau verschiebt sich bergwärts (blauer Pfeil auf dem mittleren Bild).

Alle Gebäude des BT-Bahnhofes stehen auf Betonsäulen, nicht auf der Aufschüttung.

Das Ausmass der Geländeveränderung.

Die BT-Geleise liegen, die Waisenhausstrasse wird gebaut.

Das Bild, wenn auch in der Qualität schlecht, zeigt den Zustand in der ersten Betriebszeit. Deutlich am rechten Bildrand zu erkennen, die Überreste des provisorischen Trassee zum alten AB-Bahnhof

Eine heute nur noch schwer nachvollziehbare totale Veränderung erfährt auch das Terrain neben dem Zugang zum alten Bahnhof mit der Anlage der heutigen Bahnhofstrasse.

Dann endlich kann eingeweiht werden. Wie weit das Bild 'geschönt' ist lässt sich schwer beurteilen.

Nichts Neues unter der Sonne

Was als grosse Neuheit im Zukunftsprojekt 'Bahnhof Herisau' angepriesen wird, war schon 1910 eigentlich vorgesehen.

Links ein kleiner Ausschnitt aus dem ursprünglichen Gesamt-Plan. Vom 'Perron für die AB' sollte eine Passerelle nach Süden über die Geleise und dann in einem kleinen Einschnitt ein Fussweg auf das Ebnet führen. Dieser Weg wurde nicht realisert.

Dasselbe als Animation aus dem Jahr 2018. Nicht nur die Idee mit der Passerelle ist die alte, auch die vorgesehenen Standorte entsprechen sich fast genau.