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Die Appenzeller Bahn
und das schweizerische Spmalspurbahn-Netz

Die Zeit


Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts arbeitete der Mensch weitgehend mit seinen Muskeln, mit der Muskelkraft von Pferden, Ochsen, Eseln und anderen Tieren. Hilfe leisteten einzig Mühlen, die am Wasser oder im Wind liefen und - wenn Wasser oder Wind vorhanden waren - ein fast immer durch ein höl­zernes Räderwerk angetrieben waren.

Mit ihrem Siegeszug krempelte die Dampfmaschine die Wirtschaft und die Gesellschaft der ganzen technisierten Wellt um und löste die erste industrielle Revolution aus.


Auf ähnliche Weise führten die Dampflokomotive und die Entwicklung der schienengebundenen Eisenbahn ab 1830 (Einführung der flachen Schiene und von Rädern mit Radkränzen) zu einer explosive Entwicklung im Verkehrswesen. Überall in Europa und in den USA wurden Bahnlinien erstellt - und nicht immer ganz sorgfältig ge­plant und finanziert. In der Schweiz begann die Entwicklung 1847 mit der Strecke Zürich - Baden. Danach ging es auch hier Schlag auf Schlag. 1856 erreichte die Bahn von Zürich aus sowohl Ro­manshorn (mit Blick auf den Güterverkehr mit Deutschland) als auch St. Gallen.

Schmalspurbahnpioniere

Jakob Dubs

Arnold Roth

Die Schweizerische Gesellschaft für Lokalbahnen ist ein Kind des Alt Bundesrates Jakob Dubs (1822 - 1879, Bundesrat 1861 - 1872) und des Basler Bankvereins. Noch im Jahr seines Rücktrit­tes aus dem Bundesrat gründete Dubs die Schweizerische Gesellschaft für Lokalbahnen mit der Absicht, das schweizerische Normalspurnetz durch ein verästeltes System von schmalspurigen "Sekundärbahnen" zu ergänzen und damit die ländlichen Gebiete zu erschliessen. Die Gesell­schaft hatte ein Aktienkapital von fünf Millionen Franken, von denen der Basler Bankverein eine Million hielt.

Das Grundkonzept von Dubs ist bestechend. Es sieht Normalspurbahnen (1435 mm) auf den natio­nalen Hauptlinien vor. An sie anschliessend sollte ein dichtes Netz von Sekundärbahnen schmaler Spurweite, gedacht war an 1000 mm, die übrigen Gebiete erschliessen. Diese Bahnen waren billiger in Bau, Betrieb und Unterhalt und sie konnten sich mit engeren Kurvenradien weit besser als normalspurige Bahnen dem Gelände anpassen. Dubs dachte dabei an mehrere Linien, die aber, zumindest zu jenem Zeitpunkte, nicht realisirert wurden.

Zustande kam aber bereits 1872 ein Vertrag mit einem Privatkomittee in Herisau, das zur Realisie­rung der Bahnlinie Winkeln - Herisau - Urnäsch (und später Appenzell) führte.

Im selben Jahr trat auch der Teufner Arnold Roth, damals Landammann des Kantons Appenzell A.Rh. mit Dubs in Kontakt. Roth war von 1879 bis 1871 Sekretär des Eidg. Politischen Departe­mentes. Dubs war 1870 als Bundespräsident Vorsteher dieses Departementes und hat Roth also gekannt, als dieser mit dem Anliegen an ihn herantrat, für das Appenzeller Mittelland ebenfalls ei­ne Bahn-Erschliessung zu Bauen. Dubs sicherte die Unterstützung für die Realisierung zu, forderte aber anscheinend vorerst eine Machbarkeitsstudie. Diese Studie wurde durch Roth und eine Initia­tiv-Kommission für eine Eisenbahn Mittelland - St. Gallen an die Hand genommen.

Das erste Projekt der 'Schweizerischen Gesellschaft für Localbahnen' war die Strecke Winkeln - Urnäsch, mit geplanter Fortführung bis Appenzell, das auch zügig in Angriff genommen wurde.

Allerdings, bereits bevor die Linie Winkeln - Herisau - Urnäsch fertig gestellt war und bevor die Vorstudien zu einer Eisenbahn Appenzeller Mittelland - St. Gallen endgültig vorlagen, geriet die Schweizerische Gesellschaft für Lokalbahnen aber in finanzielle Schieflage, weil auch der Basler Bankverein, der das Unternehmen hauptsächlich finanzierte, in Schwirkigkeiten kam. Hinzu kamen kostspielige Schwierigkeiten beim Bau der Strecke. Davon konnte sich die Schweizerische Gesellschaft für Lokalbahnen nicht mehr erholen und glitt in eine jahrelange Agonie, die 1875 mit der Umbenennung in "Appenzeller Bahn-Gesellschaft" faktisch endete. Auch das Projekt einer Bahn St. Gallen - Gais wurde auf Eis gelegt.

Dennoch war der Bau der Appenzeller Bahn eine Pionierleistung.

Erst 1882, als die Zeiten wieder besser wurden, auferstand auch der Plan einer Bahn St. Gallen - Gais wieder, und wieder war Arnold Roth mit dabei. Und auch diese Bahn nur durch besondere Fortschritte realisierbar. - Doch davon mehr Einzelheiten in der Ausstellung 2018.